Diversität der Teilnehmer_innen

Wir haben Daten der Kongress-Teilnehmer_innen erfasst, um bei Bedarf eine Quotierung zur Herstellung von Diversität durchzuführen.

Die Quotierung war zwar nicht notwendig, die Daten der insgesamt 80 Personen sind trotzdem interessant und zeigen wie divers oder gleichförmig die Teilnehmer_innenstruktur auf dem Kongress war. Aus welchem Themenbereich kamen die Künstler_innen, Kreativen, Polit-Aktivist_innen, sozial Engagierten und Kulturarbeiter_innen? Welche sozialen Positionen und formellen Bildungsgrade waren vertreten? Und was lernen wir daraus für die Zukunft?

Hier wird deutlich, dass eine Diversität aus allen angesprochenen Arbeitsfeldern (was nicht heißt, dass die Personen im jeweils genannten Bereich auch tatsächlich lohnabhängig beschäftigt sind oder in irgendeiner Weise damit ihr Geld verdienen) zustande gekommen ist. So konnten sich auf dem Kongress Menschen aus zum Teil völlig unterschiedlichen Bereichen begegnen, die bei klassischen Ausschreibung, die sich auf spezifische Gruppen, wie Künstler_innen und Kreative oder Kulturschaffende oder politische Aktivist_innen oder Theater oder Tanz oder oder oder, beziehen, wohl nicht zusammengefunden hätten.


Unter der Rubrik Darstellende Kunst sind Theater, Tanz, Performance, etc. zusammengefasst, weshalb es wenig überrascht, dass dies die meist vertretene Gruppe beim Kongress war. Musik ist ebenfalls ein sehr unterschiedlicher wie stark vertretener Bereich. Dass das Thema Flucht und die Arbeit mit Geflüchteten so stark vertreten ist, liegt vermutlich an den entsprechenden Fördermöglichkeiten der letzten zwei Jahre im Bereich der kulturellen Arbeit. Die Vertreter_innen der Bildenden Künste schließen die Spitze der Betätigungsfelder ab.

Die Aktionsfelder (Queer-)Feminismus, kulturelle Bildung, Veranstaltungen organisieren, Video und Film, politische Bildung, Kunstvermittlung und Antifaschismus zeigen, dass die Teilnehmer_innen vor allem Macher_innen sind, die sich aktiv – ob bezahlt oder unbezahlt – in die Gesellschaft einbringen und gesellschaftlich relevante Themen aufgreifen und bearbeiten.

Sehr aussagekräftig ist auch, dass sich nur eine einzelne Person in der Kreativwirtschaft selbstverortet.


Den Teilnehmer_innen wurde eine Vergütung in Höhe von 10,-/Stunde für die Teilnahme am Kongress ermöglicht, sodass bis zu 240,- EUR an dem Wochenende verdient werden konnten. Dies sollte zum Einen eine Wertschätzung der tatsächlichen Arbeit (denn so ein Kongress ist ja nicht einfach privater Spaß) darstellen, zum Anderen aber auch den kapitalistischen Verhältnissen, in denen soziales Engagement und politisches Handeln und Denken im besten Falle noch als unbezahltes Ehrenamt durchgehen, etwas entgegen setzen.

Vielen wurde es durch die Bezahlung überhaupt erst möglich am Kongress teilzunehmen, da sonst andere Wochenend-Jobs gemacht werden müssten, um finanziell über den Monat zu kommen. #Prekarität #Niedriglohnsektor

Sehr wenige konnten es sich aufgrund von Lebensunterhalt sichernden Festanstellungen leisten auf die Bezahlung zu verzichten, einige haben sich (im erlernten vorauseilenden Gehorsam?) mit einem geringeren Stundenlohn zufrieden gegeben. Ebenso wenige hatten den Mut oder aber die Notwendigkeit mehr zu fordern, nämlich 15,-/Stunde (die sie auch bekommen haben).

Ein großes Problem ist der Umgang mit sog. Hartz IV-Empfänger_innen, da ihnen (mindestens) ein Teil der Vergütung vom JobCenter wieder abgezogen wird, ihr Engagement und ihre Arbeit also nicht wertgeschätzt werden.


Das Geschlechterverhältnis war, wie bei der Zielgruppe zu erwarten, recht paritätisch verteilt, zumindest was Frauen* und Männer* angeht.


Ebenfalls ein zu erwartendes Ergebnis, das einen höheren und insbesondere akademischen Bildungsgrad abbildet. Fast 10% arbeiten gerade an einem weiteren höheren Abschluss. Hier gilt es auch sog. „bildungsfernere“ Personen zu erreichen, um einen inklusiven Prozess voran zu treiben und keine gesellschaftlichen Ausschlüsse zu (re)produzieren.

Dass Diploma und Magister zahlenmäßig relativ gering ausfallen, hat wohl vor allem mit der Altersstruktur auf dem Kongress zu tun.


Mehr als deutlich kann man hier ablesen, dass für mehr Diversität noch etwas Luft nach oben ist, was auch das folgende Diagramm zeigt.


Die Dominanz deutscher Ureinwohner_innen ist klar ersichtlich, (ehemalige) Migrant_innen konnten in einem für das Ruhrgebiet nur sehr geringen Umfang erreicht werden, Geflüchtete haben den Kongress/das Projekt überhaupt nicht wahrgenommen. Dies liegt nicht nur an gesellschaftlichen Missständen, sondern durchaus auch an der Projektleitung, die es in der Kürze der Projektzeit nicht geschafft hat (sozial) breit gefächert und vor allem mehrsprachig für den Kongress zu werben.


Der Kongress war eine weiße Veranstaltung. weiß bedeutet in diesem Fall keine sog. „Rassenzugehörigkeit“, sondern eine soziale Postion in der und mit der man sozialisiert wurde, die einen bestimmten Blick auf die Welt und die Menschen beinhaltet und vor allem Privilegien mit sich bringt, die in der Regel als alltäglich und selbstverständlich wahrgenommen werden. People of Color (PoC), Schwarze und andere „nicht-weiße“ Menschen, die sich z.B. ständig für ihren Aufenthalt in Deutschland rechtfertigen müssen, egal, ob sie hier geboren wurden, ob sie Deutsche sind oder „schon richtig gut deutsch sprechen“, waren auf dem Kongress absolut unterrepräsentiert.


Bei der sexuellen Orientierung überraschte nicht nur die geringe Anzahl offen (geoutet) lebender Schwulen und Lesben, sondern auch die große Anzahl an Personen, die aktiv keine Angabe gemacht haben. Letzteres erklärt sich aber vielleicht im folgenden Diagramm:


Hier wird deutlich, dass neben Rassismus auch Frausein und sexuelle Orientierung noch immer die stärksten (hier wiedergegebenen) erfahrenen Diskriminierungsformen unserer Gesellschaft sind, aber auch andere verschiedene Diskriminierungformen für nicht wenige ein Thema sind.

Ebenso zeigt sich, dass Behinderungen weiterhin am Rande stattfinden und kaum angemessene Repräsentation im öffentlichen Raum, wie auch auf dem Kongress erfahren. Inklusion ist gefragt, auch im künstlerischen, kreativen, kulturellen Bereich – und auch im Projekt „Wem gehört die Kunst?“.